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Was ist eigentlich "Composing"?

Das englische Wort „Composing“ bedeutet vom Ursprung her eigentlich „komponieren“.
Das ist ja genau das, was wir im visuellen Bereich hier tun. Wir komponieren ein neues Bild.
Die fotografische Welt, von allen Dingen die „Out of Cam“ Leute stehen dem teilweise sehr kritisch gegenüber, mit der Begründung, das sei ja kein echtes Foto mehr.
Wenn man jedoch jetzt einmal zurückspringt zu der Zeit, als es noch gar keine Fotografie gab, dann mache man sich folgendes Beispiel bewußt: Da gab es einmal Maler, die haben Landschaften gemalt. Vielleicht um sie Leuten zu zeigen, die noch nie dort gewesen sind, damit sie sich diese Landschaften ansehen konnten. Realistisch haben sie das, was sie sahen zu Papier gebracht. Und dann, irgendwann später kamen die Impressionisten, die die Wirkung der Umwelt auf die Menschen darstellten, die Expressionisten, die den gesteigerten Ausdruck des Geistig-Seelischen zum Ausdruck brachten und die Surrealisten, die unwirkliche und traumhafte Inhalte malten.
War das jetzt keine Malerei mehr???
Auch im Literarischen finden sich derartige Beispiele. Da ist ein Journalist, der etwas „naturgetreu berichtet“. Er benutzt natürlich ausgefeilte Sätze dazu, aber er berichtet das, was stattgefunden hat.
Aber was ist jetzt mit dem, der Romane schreibt, Märchen, Phantasy-Literatur. Schreiben die nicht?
Meines Erachtens nach ist es bei Fotocomposings ähnlich. Wir fotografieren Dinge und bauen daraus neue Inhalte. Zusammenhänge, die in der Natur entweder nicht so vorkommen, oder nur schwerlich fotografiert werden können.
Es bleibt eine Richtung, die auf Fotografie aufbaut und dann ihre eigenen künstlerischen Wege geht.
Ich selbst kann mit einigen Kunstrichtung nichts anfangen, was denen aber nicht die Existenzberechtigung nimmt.
Die Werbung bedient sich gerne dieser Fotografie-Richtung, entweder um Produkte, die noch nicht existieren darzustellen, oder Situationen, die nur sehr aufwendig und kostenintensiv zu fotografieren wären. (Oder als Beispiel für die „Kaplunisten“: Glaubt Ihr, es gäbe das Bild vom Affen in der Badewanne, wenn Pavel sich erst einmal den Affen irgendwo ausgeliehen hätte, ihn dann zum Rauchen verführt, ihn mit Ringen behängt und ihn dann noch in die Badewanne verfrachtet hätte? - eher nicht, würde ich sagen).

Was macht Composings so faszinierend?

Es ist glaube ich, das Stück Magie, das darin steckt. Dass es so glaubhaft aussieht, dass man meint, es seie Realität.
J.R.R. Tolkien hat im Jahr 1939 einen Vortrag über „fairy-Stories“ gehalten. Darin beschreibt er folgendes:
„Was eigentlich geschieht, […] ist, daß sich der Erzähler als ein erfolgreicher ‚Nebenschöpfer‘ erweist. Er schafft eine Sekundärwelt, die unser Geist betreten kann. Darinnen ist ‚wahr‘, was er erzählt: Es stimmt mit den Gesetzen jener Welt überein. Daher glauben wir es, solange wir uns gewissermaßen darinnen befinden. Sobald Unglaube aufkommt, ist der Bann gebrochen; der Zauber, oder vielmehr die Kunst, hat versagt. Und dann sind wir wieder in der Primärwelt und betrachten die kleine, mißlungene Sekundärwelt von außen.“ Die Nebenschöpfung („sub-creation“) zeigt eine Abhängigkeit der Fantasie von der realen Welt, da der Autor immer auf ihm Bekanntes zurückgreifen muss, selbst wenn er etwas völlig Unbekanntes beschreiben möchte. (https://de.wikipedia.org/wiki/On_Fairy-Stories).
Genau so ist es auch bei den Fotocomposings. Wir müssen uns, als „Nebenschöpfer“ an die Regeln der realen Welt halten, um unser Werk glaubhaft herüberzubringen. Die Perspektive, der Schattenwurf, der Lichteinfall, die Blendenunschärfe (die Naturgesetze) - das muss stimmen, sonst bleibt es eine kleine misslungene Sekundärwelt.
Das funktioniert nur mit Übung. Und hier beweist sich auch, dass wir, auch wenn wir nicht „out of Cam“ arbeiten, gute Fotografen sein müssen. Wenn wir in unserem Composing Dinge einsetzen wollen, dann reicht es oft nicht, sich an Stockfotografien zu bedienen. Die haben oft nicht die gewünschte Perspektive, nicht das richtige Licht. Dann muss man sich das selbst fotografieren. So, wie man es braucht.
Wenn ich einen faszinierenden Gegenstand sehe, von dem ich mir vorstellen kann, ihn in einem Composing zu nutzen, dann fotografiere ich ihn mehrmals aus verschiedenen Winkeln. Mit Aufsicht, mit Untersicht, von rechts, von links. Man weiß ja nie, wie man ihn einmal verwenden wird.

Technik

Im Netz gibt es hunderte von Anleitungen zu den verschiedensten Problemen, die sich beim Composing ergeben können. Pavel Kaplun und Miho Birimisa haben schon viele Anleitungen gemacht. Matthias Schwaighofer ist bekannt und von ihm gibt es auch CDs zu kaufen. Eine schöne Anleitung, die ich mal zufällig fand, ist die zu Wasserspiegelungen von „Kulturbanause“ https://www.youtube.com/watch?v=jd9nr1EZssM
Eigentlich muss man, wenn ein Problem auftaucht nur „Photoshop Composing und den Begriff des Problems“ bei Google eingeben und schon bekommt man mehrere Tutorials und Erklärungen angeboten.
Schaut Euch Bilder an. Das ist eine der besten Übungen. Sehen ist lernen! Fotos, Gemälde. Pavel riet in einem seiner Videos mal ins Museum zu gehen und sich den Bildaufbau der Maler anzusehen. Versucht Dinge nachzubauen.
Die ersten Versuche mögen frustrierend sein, aber nach und nach werdet ihr besser. Die Belohnung kommt dann in dem ungläubigen Staunen der Betrachter, einem "Wow" bei Instagram oder "Likes" bei Facebook und vielleicht sogar mit einer Überweisung von einem Kunden.

Schaut auch gerne mal unter dem Unterpunkt "Hilfen und Tipps", da gibt es auch noch Interessantes.

Warum machen wir Composings?

Viele Gründe können uns antreiben Composings zu machen.

  • Weil wir Geschichten erzählen wollen
  • Weil wir etwas illustrieren möchten, was es in Realität nicht gibt
  • Weil es Spaß macht (der Punkt müsste eigentlich 3x gelistet werden)
  • Weil es eine saubere Lösung der Malerei ist (Aus Computern tropft keine Farbe)
  • Weil wir Welten erfinden wollen
  • Weil ein Kunde das von uns möchte
  • und, und, und......

Ich habe früher Airbrush Illustrationen gemacht und war es satt, ständig ein verkleckstes Büro, beschmierte Kleidung und den Riesenfrust zu haben, wenn mal gegen Ende etwas schief ging und ich wieder von vorne anfangen musste. Dann, der erste Mac und Photoshop. Das war für mich wie ein Weihnachtswunder.

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